Angetrieben durch die globale Dekarbonisierung, die Umstrukturierung der Energieversorgung und die Weiterentwicklung neuer Technologien löst sich die Antriebsindustrie von einer dualen Konkurrenzlogik. Verbrennungsmotoren, reine Elektroantriebe und Wasserstoffantriebe sind keine gegenseitig ausschließenden Technologieoptionen mehr. Die Anforderungen unterschiedlicher Einsatzszenarien treiben die technologische Integration voran, hybride Antriebe, Mehrstoffsysteme sowie integrierte Speicher- und Ladelösungen entstehen in zunehmender Zahl. Auf politischer Ebene verfolgen Länder weltweit eine inklusivere Ausrichtung, auf dem Markt wachsen Anforderungen für alle Einsatzbereiche, in der Industrie wird die Zusammenarbeit innerhalb von Clustern zum Mainstream. Die „ökosystemische Zusammenarbeit“ hat die „Streitfrage der Technologiepfade“ abgelöst und ist zum zentralen Thema der Antriebsindustrie geworden.
China verfügt über eine vollständige Industriekette und den weltweit größten Markt und steht an der Spitze dieses Wandels. Dennoch gehen Überkapazitäten und mangelnde branchenübergreifende Zusammenarbeit mit dieser Position einher. Dieser Artikel erläutert anhand vier Dimensionen – globaler Trend, Chinas Entwicklungschancen, Branchenstruktur und Unternehmensentwicklung – die Entwicklungslogik neuer Antriebsökosysteme sowie Lösungswege für bestehende Herausforderungen.
(I) Globaler Trend: Die neue Ausrichtung der Antriebsindustrie – von der „Streitfrage der Technologiepfade“ zur „ökosystemischen Zusammenarbeit“
Lange Zeit wurde die Antriebsindustrie vereinfacht als ein Nullsummenspiel dargestellt: Herkömmliche Verbrennungsmotoren gegen neue Energietechnologien, Wasserstoffantriebe als Konkurrenten zu reinen Elektroantrieben, innerhalb der Elektromobilität entbrannte zudem ein Streit zwischen Lithium-Ionen-Batterien und Feststoffbatterien.
Vor dem Hintergrund der technologischen Revolution im Bereich neuer Energien und der Doppel-Kohlenstoff-Ziele durchläuft die Antriebsindustrie nun eine Phase vielfältiger Entwicklung: Verbrennungsmotoren werden für eine geringere Kohlenstoffemission optimiert, Hybridtechnologien werden stetig weiterentwickelt, reine Elektroantriebe werden sicherer und leistungsstärker, Wasserstoffverbrennungsmotoren, Ammoniakverbrennungsmotoren sowie Motoren für synthetische Kraftstoffe durchlaufen bahnbrechende Forschungsfortschritte. Mehrere Antriebstechnologien laufen parallel, technologische Integration und Innovationen nehmen zu. Die Branche erkennt nun: Es gibt keine universell einsetzbare Einzellösung, sondern nur vielfältige Lösungen, die auf unterschiedliche Einsatzszenarien abgestimmt sind.
Ein Beispiel: Der Antriebsbereich eines modernen Bergbaufahrzeugs kann gleichzeitig Dieselmotoren, Hochleistungsbatterien und Wasserstoffbrennstoffzellen integrieren. Ein Energiemanagementsystem bestimmt in Echtzeit, welche Antriebseinheit aktiviert wird. In diesem Trend werden Antriebstechnologien nicht mehr mit Prädikaten wie „besser“ oder „schlechter“ versehen, sondern je nach Einsatzszenario danach bewertet, „wo sie am besten geeignet sind“. Die einst weit verbreitete These, dass herkömmliche Verbrennungsmotoren vollständig verdrängt werden, wurde durch die Einsicht abgelöst, dass auch Verbrennungsmotoren zu sauberen Energietechnologien weiterentwickelt werden können.
Zusammenfassend ist der Übergang von der „Streitfrage der Technologiepfade“ zur „ökosystemischen Zusammenarbeit“ ein unumkehrbarer Trend der Antriebsbranche. Wie der CEO von BorgWarner kürzlich auf einer Bilanzkonferenz erklärte: „Wir fragen unsere Kunden nicht mehr, welche Antriebsart sie benötigen, sondern in welchem Einsatzszenario sie eine maximale Betriebseffizienz erreichen wollen.“
(II) Chinas Chancen: Ein neuer Transformationsfenster – von der „quantitativen Führungsstellung“ zur „ökosystemischen Vorreiterrolle“
Zweifellos steht China an der Spitze dieser Revolution der Antriebsökosysteme.
China verfügt über den weltweit größten Bestand an Nutzfahrzeugen und Baumaschinen sowie die vollständigste Lieferkette für Lithiumbatterien und elektrische Antriebe. Die Produktion von Leistungsbatterien macht rund siebzig Prozent der globalen Gesamtproduktion aus, die Herstellungskosten von Elektromotoren betragen nur zwei Drittel der Kosten ausländischer Wettbewerber. Diese umfassenden Vorteile in der Industriekette bilden die Grundlage für den Aufbau eines weltweit führenden Antriebsökosystems.
Hinter dieser quantitativen Überlegenheit verbirgt sich jedoch eine deutliche Problematik: Die geplante Produktionskapazität für Antriebs- und Speicherbatterien nähert sich 5.000 GWh, während die Kapazitätsauslastung unter vierzig Prozent liegt. Homogene Konkurrenz und Preiskämpfe zehren stark an den Innovationsressourcen der Branche. Die Glieder der Industriekette arbeiten voneinander abgetrennt, verschiedene Technologiepfade stehen sich gegeneinander verschlossen gegenüber, die branchenübergreifende Zusammenarbeit ist ineffizient und Forschungsressourcen werden doppelt investiert. Angebot und Nachfrage sind unausgewogen, Technologien passen nicht zu den Einsatzszenarien – es kommt häufig zu der Situation, dass Produkte auf dem Papier hervorragende Werte erzielen, in der praktischen Anwendung jedoch mangelhaft abschneiden.
Gerade in diesen Schwierigkeiten liegen jedoch große Chancen. Die Förderung der Vernetzung von Fahrzeugen und Stromnetzen wandelt Elektroautos zu mobilen Speicherknoten des neuen Stromversorgungssystems. Die Wasserstoffindustrie erweitert ihre Anwendungsbereiche auf industrielle Felder. Die tiefe Integration von Antriebstechnologien mit Energiespeichern, Stromnetzen und intelligenter Fertigung schafft völlig neue Wertschöpfungsfelder, die weit über reine Fahrzeugantriebe hinausgehen. Der Transformationsprozess hin zur ökosystemischen Zusammenarbeit eröffnet der chinesischen Antriebsindustrie einen Markt mit einem Wert von Billionen Yuan und unterstützt den Übergang von einer „quantitativen Führungsstellung“ zu einer „ökosystemischen Vorreiterrolle“.
(III) Branchenstruktur: Eine neue Industrielogik – von „einzelwertorientierter Bewertung“ zur „systemischen Wertschöpfung“
Der Übergang von der „quantitativen Führungsstellung“ zur „ökosystemischen Vorreiterrolle“ löst tiefgreifende Veränderungen aus, allen voran eine Umwertung des gesamten Wertesystems.
Wie bereits ausgeführt, verschiebt sich der Maßstab für die Bewertung eines Antriebssystems von der „einzelnen Leistungsanforderung“ hin zu „umfassenden Anforderungen für alle Einsatzszenarien“.
Früher wurde die Qualität eines Antriebssystems anhand von Messwerten auf dem Prüfstand im Labor definiert. Heute orientiert sich die Bewertung an den umfassenden Anforderungen des praktischen Einsatzes. Ein Schwerlast-Lkw, der auf dem Qinghai-Tibet-Plateau verkehrt, benötigt nicht nur eine hervorragende Anpassung an Höhenlagen und eine große Reichweite, sondern muss zudem wirtschaftlich, sicher und umweltfreundlich sein. Kein Kämpfer beherrscht alle Kampfkünste – ebenso kann keine einzelne Antriebsquelle alle Einsatzbereiche abdecken.
Die Form des Marktwettbewerbs wandelt sich zudem von „einzelkämpferischen Unternehmen“ hin zur „Zusammenarbeit innerhalb von Industri clustern“.
In einem Antriebscluster im Jangtse-Delta lässt sich folgendes Bild beobachten: Fabriken für Elektromotor-Statoren und -Rotoren, Produktionslinien für Leistungsmodule der Steuerung sowie Testzentren für komplette Antriebseinheiten liegen unmittelbar nebeneinander und nutzen gemeinsam Kühlumgebungen und EMV-Prüflabore. Dadurch verkürzt sich der Validierungszyklus neuer Produkte um vierzig Prozent. Früher arbeiteten Unternehmen meist isoliert, heute erkennen immer mehr Branchenakteure, dass die ökosystemische Zusammenarbeit den gesamten Markt vergrößert und spezialisierte Arbeitsteilung die Gesamteffizienz steigert. Wie ein erfahrener Partner von Roland Berger feststellte: „Die grundlegende Wettbewerbseinheit ist nicht mehr das einzelne Unternehmen, sondern der Industricluster. Der Wert eines Ökosystems übersteigt bei weitem die Summe einzelner Spitzenunternehmen.“
Auch die politische Ausrichtung ändert sich: Statt einzelne Technologiepfade bevorzugt zu unterstützen, werden nun vielfältige Innovationen gefördert.
Die Politik Chinas hat sich von der einseitigen Förderung einzelner Technologiepfade zu einer Unterstützung vielfältiger Innovationen gewandelt – keine Antriebstechnologie genießt mehr eine politische Priorität. Auch weltweit lassen sich ähnliche Entwicklungen beobachten: Die USA haben die Subventionspolitik für Elektroautos angepasst, die EU lockert das Verbot von Verbrennungsfahrzeugen ab 2035. Weltweit erhalten alle Technologien, die Nutzeranforderungen erfüllen und Kohlenstoffreduktionsziele erreichen, Raum zur Entwicklung und können ihren Wert im neuen Branchenökosystem entfalten.
(IV) Unternehmensentwicklung: Eine neue Transformationsrichtung – von „homogener Konkurrenz“ zur „effizienten Zusammenarbeit“
„Einerseits die Konkurrenzflut ablehnen, andererseits selbst die Konkurrenz verstärken“ – das ist die alltägliche Realität der Unternehmen in der Antriebsindustrie in den letzten Jahren. Der Ausweg aus dieser Situation liegt in der Umstellung von gegenseitigem Konkurrenzkampf auf kooperatives Wachstum.
Der Kern der Konkurrenzflut liegt in homogenen Produkten, deren Ursache wiederum die langfristige Trennung von Technologieentwicklung und praktischen Einsatzszenarien ist. „Kooperatives Wachstum“ bedeutet zunächst eine branchenweite Zusammenarbeit im Ökosystem: Statt „Technologien nach passenden Einsatzszenarien zu suchen“, werden „Technologien ausgehend von den Anforderungen der Einsatzszenarien entwickelt“.
Viele Unternehmen setzen dieses Konzept bereits um. Beispielsweise arbeiten Sany Heavy Industry und seine Ökosystempartner gemeinsam an Betonmischfahrzeugen und Bergbaukippern: Zuerst wird keine Antriebsart festgelegt, sondern eine „Energiekarte des Einsatzszenarios“ erstellt. Anhand von Betriebszeiten, Lastverläufen, Steigungsverhältnissen und Temperaturbereichen werden optimale Kombinationen aus Methanol-Range-Extendern, Großbatterie-Wechselantrieben oder Wasserstoffbrennstoffzellen abgeleitet.
Dies erfordert mehr als einen einfachen Informationsaustausch, sondern eine tiefgreifende technologische Zusammenarbeit weg von „geschlossener Forschung und Entwicklung“ hin zu „gemeinsamer innovativer Arbeit“.
Die Komplexität von Antriebstechnologien steigt stetig, offene Zusammenarbeit beschleunigt die technologische Weiterentwicklung. Beispielsweise hat Weichai gemeinsam mit chinesischen Hochschulen, Startups und Zulieferern wie Bosch ein offenes Labor für eine Mehrstoff-Plattform aufgebaut. Teilweise werden vormals streng vertrauliche Verbrennungsmodelle und Wärmemanagementstrategien modular zur Verfügung gestellt, woraus die WP15-Plattform hervorging, die Diesel, Wasserstoff und Methanol kompatibel verarbeiten kann.
Auf Ebene der Lieferketten muss der Wandel von „Wettbewerb einzelner Glieder“ hin zu „umfassender Stabilität der gesamten Kette“ vollzogen werden. Früher konzentrierte sich der Wettbewerb auf das Endprodukt; Unternehmen senkten die Kosten, um Marktanteile zu gewinnen, wodurch sich Risiken entlang der gesamten Industriekette häuften. Die ökosystemische Zusammenarbeit verlangt von allen Unternehmen eine Betrachtung der gesamten Lieferkette, um Stabilität und Effizienz durch gemeinsame Arbeit zu steigern. Ein leitender Mitarbeiter eines Antriebsintegrators fasste es so zusammen: „Früher endete die Zusammenarbeit mit dem Kunden mit dem Verkauf eines Motors. Heute bieten wir ein komplettes Antriebssystem für den gesamten Lebenszyklus an – inklusive Cloud-gestützter Kalibrierung, Kraftstoffanalyse und vorausschauender Wartung der Abgasnachbehandlung. Der Tag des Verkaufs ist erst der Beginn der Zusammenarbeit.“
Der Übergang von der „Streitfrage der Technologiepfade“ zur „ökosystemischen Zusammenarbeit“ lässt sich nicht von heute auf morgen vollziehen, dennoch ist der Trend unumkehrbar. Die Internationale Messe für Verbrennungsmotoren und Antriebstechnik 2026, die vom 11. bis 13. November 2026 im Nanjing International Expo Center stattfindet, wird das neue Gesicht der Branche eindrucksvoll präsentieren. Die Marken, die einst gegeneinander konkurrierten, brechen mit dem Nullsummendenken, formen durch Wettbewerb und Zusammenarbeit neue Branchengrenzen und erschließen gemeinsam die Vorteile der ökosystemischen Zusammenarbeit.
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Angetrieben durch die globale Dekarbonisierung, die Umstrukturierung der Energieversorgung und die Weiterentwicklung neuer Technologien löst sich die Antriebsindustrie von einer dualen Konkurrenzlogik. Verbrennungsmotoren, reine Elektroantriebe und Wasserstoffantriebe sind keine gegenseitig ausschließenden Technologieoptionen mehr. Die Anforderungen unterschiedlicher Einsatzszenarien treiben die technologische Integration voran, hybride Antriebe, Mehrstoffsysteme sowie integrierte Speicher- und Ladelösungen entstehen in zunehmender Zahl. Auf politischer Ebene verfolgen Länder weltweit eine inklusivere Ausrichtung, auf dem Markt wachsen Anforderungen für alle Einsatzbereiche, in der Industrie wird die Zusammenarbeit innerhalb von Clustern zum Mainstream. Die „ökosystemische Zusammenarbeit“ hat die „Streitfrage der Technologiepfade“ abgelöst und ist zum zentralen Thema der Antriebsindustrie geworden.
China verfügt über eine vollständige Industriekette und den weltweit größten Markt und steht an der Spitze dieses Wandels. Dennoch gehen Überkapazitäten und mangelnde branchenübergreifende Zusammenarbeit mit dieser Position einher. Dieser Artikel erläutert anhand vier Dimensionen – globaler Trend, Chinas Entwicklungschancen, Branchenstruktur und Unternehmensentwicklung – die Entwicklungslogik neuer Antriebsökosysteme sowie Lösungswege für bestehende Herausforderungen.
(I) Globaler Trend: Die neue Ausrichtung der Antriebsindustrie – von der „Streitfrage der Technologiepfade“ zur „ökosystemischen Zusammenarbeit“
Lange Zeit wurde die Antriebsindustrie vereinfacht als ein Nullsummenspiel dargestellt: Herkömmliche Verbrennungsmotoren gegen neue Energietechnologien, Wasserstoffantriebe als Konkurrenten zu reinen Elektroantrieben, innerhalb der Elektromobilität entbrannte zudem ein Streit zwischen Lithium-Ionen-Batterien und Feststoffbatterien.
Vor dem Hintergrund der technologischen Revolution im Bereich neuer Energien und der Doppel-Kohlenstoff-Ziele durchläuft die Antriebsindustrie nun eine Phase vielfältiger Entwicklung: Verbrennungsmotoren werden für eine geringere Kohlenstoffemission optimiert, Hybridtechnologien werden stetig weiterentwickelt, reine Elektroantriebe werden sicherer und leistungsstärker, Wasserstoffverbrennungsmotoren, Ammoniakverbrennungsmotoren sowie Motoren für synthetische Kraftstoffe durchlaufen bahnbrechende Forschungsfortschritte. Mehrere Antriebstechnologien laufen parallel, technologische Integration und Innovationen nehmen zu. Die Branche erkennt nun: Es gibt keine universell einsetzbare Einzellösung, sondern nur vielfältige Lösungen, die auf unterschiedliche Einsatzszenarien abgestimmt sind.
Ein Beispiel: Der Antriebsbereich eines modernen Bergbaufahrzeugs kann gleichzeitig Dieselmotoren, Hochleistungsbatterien und Wasserstoffbrennstoffzellen integrieren. Ein Energiemanagementsystem bestimmt in Echtzeit, welche Antriebseinheit aktiviert wird. In diesem Trend werden Antriebstechnologien nicht mehr mit Prädikaten wie „besser“ oder „schlechter“ versehen, sondern je nach Einsatzszenario danach bewertet, „wo sie am besten geeignet sind“. Die einst weit verbreitete These, dass herkömmliche Verbrennungsmotoren vollständig verdrängt werden, wurde durch die Einsicht abgelöst, dass auch Verbrennungsmotoren zu sauberen Energietechnologien weiterentwickelt werden können.
Zusammenfassend ist der Übergang von der „Streitfrage der Technologiepfade“ zur „ökosystemischen Zusammenarbeit“ ein unumkehrbarer Trend der Antriebsbranche. Wie der CEO von BorgWarner kürzlich auf einer Bilanzkonferenz erklärte: „Wir fragen unsere Kunden nicht mehr, welche Antriebsart sie benötigen, sondern in welchem Einsatzszenario sie eine maximale Betriebseffizienz erreichen wollen.“
(II) Chinas Chancen: Ein neuer Transformationsfenster – von der „quantitativen Führungsstellung“ zur „ökosystemischen Vorreiterrolle“
Zweifellos steht China an der Spitze dieser Revolution der Antriebsökosysteme.
China verfügt über den weltweit größten Bestand an Nutzfahrzeugen und Baumaschinen sowie die vollständigste Lieferkette für Lithiumbatterien und elektrische Antriebe. Die Produktion von Leistungsbatterien macht rund siebzig Prozent der globalen Gesamtproduktion aus, die Herstellungskosten von Elektromotoren betragen nur zwei Drittel der Kosten ausländischer Wettbewerber. Diese umfassenden Vorteile in der Industriekette bilden die Grundlage für den Aufbau eines weltweit führenden Antriebsökosystems.
Hinter dieser quantitativen Überlegenheit verbirgt sich jedoch eine deutliche Problematik: Die geplante Produktionskapazität für Antriebs- und Speicherbatterien nähert sich 5.000 GWh, während die Kapazitätsauslastung unter vierzig Prozent liegt. Homogene Konkurrenz und Preiskämpfe zehren stark an den Innovationsressourcen der Branche. Die Glieder der Industriekette arbeiten voneinander abgetrennt, verschiedene Technologiepfade stehen sich gegeneinander verschlossen gegenüber, die branchenübergreifende Zusammenarbeit ist ineffizient und Forschungsressourcen werden doppelt investiert. Angebot und Nachfrage sind unausgewogen, Technologien passen nicht zu den Einsatzszenarien – es kommt häufig zu der Situation, dass Produkte auf dem Papier hervorragende Werte erzielen, in der praktischen Anwendung jedoch mangelhaft abschneiden.
Gerade in diesen Schwierigkeiten liegen jedoch große Chancen. Die Förderung der Vernetzung von Fahrzeugen und Stromnetzen wandelt Elektroautos zu mobilen Speicherknoten des neuen Stromversorgungssystems. Die Wasserstoffindustrie erweitert ihre Anwendungsbereiche auf industrielle Felder. Die tiefe Integration von Antriebstechnologien mit Energiespeichern, Stromnetzen und intelligenter Fertigung schafft völlig neue Wertschöpfungsfelder, die weit über reine Fahrzeugantriebe hinausgehen. Der Transformationsprozess hin zur ökosystemischen Zusammenarbeit eröffnet der chinesischen Antriebsindustrie einen Markt mit einem Wert von Billionen Yuan und unterstützt den Übergang von einer „quantitativen Führungsstellung“ zu einer „ökosystemischen Vorreiterrolle“.
(III) Branchenstruktur: Eine neue Industrielogik – von „einzelwertorientierter Bewertung“ zur „systemischen Wertschöpfung“
Der Übergang von der „quantitativen Führungsstellung“ zur „ökosystemischen Vorreiterrolle“ löst tiefgreifende Veränderungen aus, allen voran eine Umwertung des gesamten Wertesystems.
Wie bereits ausgeführt, verschiebt sich der Maßstab für die Bewertung eines Antriebssystems von der „einzelnen Leistungsanforderung“ hin zu „umfassenden Anforderungen für alle Einsatzszenarien“.
Früher wurde die Qualität eines Antriebssystems anhand von Messwerten auf dem Prüfstand im Labor definiert. Heute orientiert sich die Bewertung an den umfassenden Anforderungen des praktischen Einsatzes. Ein Schwerlast-Lkw, der auf dem Qinghai-Tibet-Plateau verkehrt, benötigt nicht nur eine hervorragende Anpassung an Höhenlagen und eine große Reichweite, sondern muss zudem wirtschaftlich, sicher und umweltfreundlich sein. Kein Kämpfer beherrscht alle Kampfkünste – ebenso kann keine einzelne Antriebsquelle alle Einsatzbereiche abdecken.
Die Form des Marktwettbewerbs wandelt sich zudem von „einzelkämpferischen Unternehmen“ hin zur „Zusammenarbeit innerhalb von Industri clustern“.
In einem Antriebscluster im Jangtse-Delta lässt sich folgendes Bild beobachten: Fabriken für Elektromotor-Statoren und -Rotoren, Produktionslinien für Leistungsmodule der Steuerung sowie Testzentren für komplette Antriebseinheiten liegen unmittelbar nebeneinander und nutzen gemeinsam Kühlumgebungen und EMV-Prüflabore. Dadurch verkürzt sich der Validierungszyklus neuer Produkte um vierzig Prozent. Früher arbeiteten Unternehmen meist isoliert, heute erkennen immer mehr Branchenakteure, dass die ökosystemische Zusammenarbeit den gesamten Markt vergrößert und spezialisierte Arbeitsteilung die Gesamteffizienz steigert. Wie ein erfahrener Partner von Roland Berger feststellte: „Die grundlegende Wettbewerbseinheit ist nicht mehr das einzelne Unternehmen, sondern der Industricluster. Der Wert eines Ökosystems übersteigt bei weitem die Summe einzelner Spitzenunternehmen.“
Auch die politische Ausrichtung ändert sich: Statt einzelne Technologiepfade bevorzugt zu unterstützen, werden nun vielfältige Innovationen gefördert.
Die Politik Chinas hat sich von der einseitigen Förderung einzelner Technologiepfade zu einer Unterstützung vielfältiger Innovationen gewandelt – keine Antriebstechnologie genießt mehr eine politische Priorität. Auch weltweit lassen sich ähnliche Entwicklungen beobachten: Die USA haben die Subventionspolitik für Elektroautos angepasst, die EU lockert das Verbot von Verbrennungsfahrzeugen ab 2035. Weltweit erhalten alle Technologien, die Nutzeranforderungen erfüllen und Kohlenstoffreduktionsziele erreichen, Raum zur Entwicklung und können ihren Wert im neuen Branchenökosystem entfalten.
(IV) Unternehmensentwicklung: Eine neue Transformationsrichtung – von „homogener Konkurrenz“ zur „effizienten Zusammenarbeit“
„Einerseits die Konkurrenzflut ablehnen, andererseits selbst die Konkurrenz verstärken“ – das ist die alltägliche Realität der Unternehmen in der Antriebsindustrie in den letzten Jahren. Der Ausweg aus dieser Situation liegt in der Umstellung von gegenseitigem Konkurrenzkampf auf kooperatives Wachstum.
Der Kern der Konkurrenzflut liegt in homogenen Produkten, deren Ursache wiederum die langfristige Trennung von Technologieentwicklung und praktischen Einsatzszenarien ist. „Kooperatives Wachstum“ bedeutet zunächst eine branchenweite Zusammenarbeit im Ökosystem: Statt „Technologien nach passenden Einsatzszenarien zu suchen“, werden „Technologien ausgehend von den Anforderungen der Einsatzszenarien entwickelt“.
Viele Unternehmen setzen dieses Konzept bereits um. Beispielsweise arbeiten Sany Heavy Industry und seine Ökosystempartner gemeinsam an Betonmischfahrzeugen und Bergbaukippern: Zuerst wird keine Antriebsart festgelegt, sondern eine „Energiekarte des Einsatzszenarios“ erstellt. Anhand von Betriebszeiten, Lastverläufen, Steigungsverhältnissen und Temperaturbereichen werden optimale Kombinationen aus Methanol-Range-Extendern, Großbatterie-Wechselantrieben oder Wasserstoffbrennstoffzellen abgeleitet.
Dies erfordert mehr als einen einfachen Informationsaustausch, sondern eine tiefgreifende technologische Zusammenarbeit weg von „geschlossener Forschung und Entwicklung“ hin zu „gemeinsamer innovativer Arbeit“.
Die Komplexität von Antriebstechnologien steigt stetig, offene Zusammenarbeit beschleunigt die technologische Weiterentwicklung. Beispielsweise hat Weichai gemeinsam mit chinesischen Hochschulen, Startups und Zulieferern wie Bosch ein offenes Labor für eine Mehrstoff-Plattform aufgebaut. Teilweise werden vormals streng vertrauliche Verbrennungsmodelle und Wärmemanagementstrategien modular zur Verfügung gestellt, woraus die WP15-Plattform hervorging, die Diesel, Wasserstoff und Methanol kompatibel verarbeiten kann.
Auf Ebene der Lieferketten muss der Wandel von „Wettbewerb einzelner Glieder“ hin zu „umfassender Stabilität der gesamten Kette“ vollzogen werden. Früher konzentrierte sich der Wettbewerb auf das Endprodukt; Unternehmen senkten die Kosten, um Marktanteile zu gewinnen, wodurch sich Risiken entlang der gesamten Industriekette häuften. Die ökosystemische Zusammenarbeit verlangt von allen Unternehmen eine Betrachtung der gesamten Lieferkette, um Stabilität und Effizienz durch gemeinsame Arbeit zu steigern. Ein leitender Mitarbeiter eines Antriebsintegrators fasste es so zusammen: „Früher endete die Zusammenarbeit mit dem Kunden mit dem Verkauf eines Motors. Heute bieten wir ein komplettes Antriebssystem für den gesamten Lebenszyklus an – inklusive Cloud-gestützter Kalibrierung, Kraftstoffanalyse und vorausschauender Wartung der Abgasnachbehandlung. Der Tag des Verkaufs ist erst der Beginn der Zusammenarbeit.“
Der Übergang von der „Streitfrage der Technologiepfade“ zur „ökosystemischen Zusammenarbeit“ lässt sich nicht von heute auf morgen vollziehen, dennoch ist der Trend unumkehrbar. Die Internationale Messe für Verbrennungsmotoren und Antriebstechnik 2026, die vom 11. bis 13. November 2026 im Nanjing International Expo Center stattfindet, wird das neue Gesicht der Branche eindrucksvoll präsentieren. Die Marken, die einst gegeneinander konkurrierten, brechen mit dem Nullsummendenken, formen durch Wettbewerb und Zusammenarbeit neue Branchengrenzen und erschließen gemeinsam die Vorteile der ökosystemischen Zusammenarbeit.